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An den Rollstuhl gefesselt?

Ein typisches Klischee unser Gesellschaft. Schubladendenken. Und es riecht nach Mitleid in einer Form, die wir alle nicht gebrauchen können.

Natürlich ist es nicht schön, wenn man - aus welchen Gründen auch immer - im Rollstuhl 'landet'; doch wider Erwarten bedeutet es nicht das Ende. Es verändert den Blickwinkel, es schränkt ein und eröffnet dennoch neue Perspektiven.

Lösen Sie die Fesseln in Ihrem Kopf, dann werde ich - auf eine ganz besondere Art - frei sein :-)

       

Ich habí seit 1997einen Rollstuhl, den ich liebevoll Rolli oder unsensibel Kiste nenne, ganz so, wie mir gerade der Sinn steht. Vor vielen Jahren war der Gedanke an einen Rollstuhl ein unerträglicher Gedanke, den ich ganz hinten in einer dunklen Kammer meines Hirns  versteckte. Doch Stück für Stück öffnete ich die Tür und machte mich mit dem Gedanken vertraut. Im Moment kann ich immer noch entscheiden zwischen Füßen und Rädern, wie heißt es in der Werbung doch gleich: "Die Freiheit nehm' ich mir!" Noch geht das. Im Alltag verschläft der Rolli die Tage in meinem Kofferraum, aber wenn es auf Shoppingtour oder Familienausflug in die Großstadt oder zum Konzert geht, dann erwacht er zum Leben. Und mich reißt er mit. Die Menschen sind freundlich zu mir, halten Türen auf und erkennen sofort, dass ich keine Treppen laufen kann. Ich sitze ja im Rollstuhl. Das ist klasse, weil ich als stehender Fußgänger immer Probleme habe, wenn ich erkläre, dass ich keine Treppen laufen kann. Dann gucken mich die Menschen verständnislos an, weil ich gar nicht behindert aussehe. Und keiner dieser Fremden ahnt, dass mich der kleinste Stoß umwerfen würde. Der Rollstuhl ist da ein gutes Hilfsmittel: Erstens wird klar erkannt, was Sache ist, zweitens bin ich ganz entspannt mittendrin. Klar ist es doof, dass man im Rolli so klein ist, dass viele Gänge in Geschäften zu eng sind oder Stufen den Weg verwehren, dass man an obere Regale gar nicht rankommt oder bei Konzerten auf Tribünen verbannt  wird. Aber was soll's, das sind Dinge, mit denen man eben klarkommen muss. Nur manchmal, da machen mich diese Dinge wütend.